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  Info  Deutsche Behörden setzen auf Handyüberwachung


Verfassungsschutz, Zoll und auch die Polizei nutzen offenbar rege ein Ortungsverfahren, bei der unbemerkt jeder Handy-Nutzer aufgespürt werden kann.

Datenschützer sind von den Erkenntnissen entsetzt. Offenbar nutzten deutsche Behörden bereits in unbekanntem Ausmass ein Ortungsverfahren via stiller SMS. Sogenannte stille Überwachungs-SMS werden auf Mobiltelefone verschickt, von der die angepeilten Personen überhaupt nichts bemerken. Allein 2010 nutzten die Zollfahndungsbehörden das Verfahren offenbar 237.000 Mal, das Bundesamt für Verfassungsschutz 108.000 Mal und das Bundeskriminalamt (BKA) 96.000 Mal.



Via stiller SMS kann leicht festgestellt werden, über welche Funkzelle ein Mobiltelefon gerade sendet und somit der Standort des Nutzers relativ genau lokalisiert werden. Mittels einer stillen SMS wird von dem zu überwachenden Mobiltelefon ein unmerklicher Kommunikationsvorgang mit der nächstgelegenen Funkzelle erzwungen. Danach kann die Behörde die Telekommunikationsanbieter zur Herausgabe der Standortdaten veranlassen.

Die Polizei nutzt das Verfahren der stillen SMS regelmässig, um Verdächtige über die Ortung von deren Handynummer aufzuspüren und festzunehmen. Der Verfassungsschutz stellt so bei Observationen auch ganze Bewegungsbilder über längere Zeiträume von Personen zusammen. Auch bei Demos, wie im Februar 2011 in Dresden wurden grossflächig Funkzellendaten ausgewertet.

Wie sich jetzt auf einer erneuten Anfrage der Linken im Bundestag herausstellte, wird die bislang kaum bekannte Technik allein bei Bundesbehörden hunderttausendfach im Jahr eingesetzt. "Besonders der rasante Anstieg dieser Maßnahmen durch Kriminalbehörden des Finanzministeriums, etwa bei den Zollkriminalämtern, ist bedenklich", kritisiert Bundestagsabgeordnete Andrej Hunko. "Der Zweck von Mobiltelefonen ist die Kommunikation, nicht deren Überwachung", erklärte der Abgeordnete und fordert deshalb die strikte demokratische Kontrolle der Herstellung, Nutzung und des Exports dieser Technologie.



Auch die nordrhein-westfälische Landtagsabgeordnete der Linkspartei, Anna Conrads kritisiert die massenhafte, heimliche Ausforschung via stiller SMS. "Die hunderttausendfache Ausforschung durch sogenannte stille SMS fügt den Datenschutzskandalen eine neue Dimension hinzu, So Conrads. und erklärt weiter, dass mit dem Problem der Überwachungs-SMS nun endgültig werde, "dass die polizeiliche und geheimdienstliche Nutzung der digitalen Spionagewerkzeuge einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung bedarf". (04.01.12, fr-online)

 

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